Das zweite Halbjahr hat begonnen – und die Pen-&-Paper-AG wurde tatsächlich von vielen Schüler:innen neu angewählt: Acht neue Schülerinnen und Schüler sitzen jetzt mit am Tisch, dazu sieben erfahrene Heldinnen und Helden, die aus dem ersten Durchlauf geblieben sind. Eine schöne Mischung aus Neugier und Vorwissen („Das haben wir schon mal gemacht“).
Und damit stellte sich für mich ganz konkret die Frage:
Was mache ich mit den Erfahrungen aus dem ersten Halbjahr?
Schließlich war das damals der erste Durchgang der AG überhaupt – Aufbruchsstimmung, viel Improvisation, viel learning by doing. Und ein paar sehr klare Erkenntnisse (es folgt eine Auswahl…):
Erstens: Die Bereitschaft, nach einem langen Schultag noch Regeltexte zu lesen, ist… sagen wir: ausbaufähig. Der Wunsch, direkt ins Abenteuer zu springen, ist deutlich größer als das Interesse an vertiefter Spielmechanik. Das führte im letzten Halbjahr dazu, dass Weiterentwicklungen im System nur schwer möglich waren. Komplexere Regeln versickern relativ schnell zwischen „Wann greifen wir an?“ und „Haben wir noch Heiltränke?“.
Zweitens: Zwei Teilnehmende haben erste Erfahrungen als Spielleiter gesammelt – und das mit beeindruckender Kreativität. Es war deutlich zu spüren, wie sehr diese Rolle ihr Selbstbewusstseingestärkt hat. Gleichzeitig zeigte sich aber auch hier eine gewisse Grundhaltung: nichts lesen, nichts aufschreiben, alles wird schon irgendwie klappen. Spoiler: Tut es nicht immer.
Drittens: Eine AG-Stunde läuft nicht von allein. Auch wenn das Setting lockerer ist als der reguläre Unterricht, wird sie von vielen Schülerinnen und Schülern zunächst als „alternativer Unterrichtsraum“ wahrgenommen – inklusive aller ungünstigen Gewohnheiten. Fehlende Eigenverantwortung, vergessene Würfel, nicht gelesene Abenteuertexte bei angehenden Spielleiter:innen. Das Setting ändert sich, die Muster bleiben.
Also habe ich für das neue Halbjahr einige Konsequenzen gezogen.
Erste Schlussfolgerung: Ich bereite die AG-Stunde inzwischen wie eine normale Unterrichtsstunde vor. Es gibt einen kurzen, klar strukturierten Input zu einer Regelmechanik, die sich in den vorherigen Sitzungen als relevant herausgestellt hat – in kleinen, gut verdaulichen Häppchen. Kein Regelbuch-Marathon, sondern gezielte Mini-Impulse. Den Abschluss bildet eine kurze Reflexion der Sitzung.
Zweite Schlussfolgerung: Auch wenn wir gemeinsam auf Abenteuer ausziehen, gelten ähnliche Grundregeln wie im Unterricht. Die Atmosphäre darf locker sein, aber sie ist nicht beliebig. Rollenspiel auf Augenhöhe heißt nicht Rollenlosigkeit.
Dritte Schlussfolgerung: Angehende Spielleiter:innen nehme ich noch einmal gesondert zur Seite. Vorbereitung ist kein optionales Add-on, sondern Grundlage für eine funktionierende Sitzung. Wer leiten möchte, muss vorbereitet sein – und diese Vorbereitung fordere ich auch ein. Andernfalls gibt es eben keine eigene Sitzung. So einfach ist das.
Vieles davon hängt schlicht mit der Altersstufe zusammen (und natürlich mit nicht etablierten Gewohnheit in der Lesesozialisation). Die Gruppe besteht aus Kindern der sechsten und siebten Jahrgangstufe. Je jünger die Schülerinnen und Schüler sind, desto mehr Orientierung brauchen sie – auch (oder gerade) im kreativen Raum. Freiheit funktioniert am besten, wenn der Rahmen stabil ist.
Insgesamt macht die AG weiterhin enorm viel Spaß – mir und den Kids. Und wir bleiben dran.
Denn am Ende gilt auch hier: Selbst die wildeste Heldengruppe braucht einen Questgeber. Und manchmal trägt der eben kein Gewand, sondern den Lehrerzimmer-Schlüssel um den Hals.






